Einleitung
Ja, die guten alten Zeiten! Als
das Keyboard noch Orgel hieß und das Hirn des Organisten
noch frei war von marternden Begriffen wie Resynthese und
Sampling, PCM und AWM, FM und DWGS, MIDI und TIME CODE und
so weiter und so fort.
Das folgende Kapitel zu schreiben,
erscheint mir äußerst schwierig, einmal, weil ich selbst
kein Keyboarder bin, zum anderen, weil man die technischen
Fakten gar nicht so schnell darstellen kann wie sie
veralten. Der Markt der Tasteninstrumente ist wohl im
Vergleich zu den anderen Instrumenten der
undurchschaubarste. Das liegt unter anderem auch daran, dass
wir es hier nicht mehr nur mit den reinen Tasten zu tun
haben, sondern mit einem Gebirge von Peripheriegeräten
inklusive einer Fülle von Datennormen, die zudem von
Hersteller zu Hersteller variieren.
Die Entwicklung in der
Computerindustrie mit ihrer jeweils neuesten Chip-Generation
spiegelt sich in den Produkten der Musikelektronik. Hi-Tech
bei den Keyboardanlagen ist nunmehr nicht nur den
professionellen Musikern vorbehalten, sondern sogar der
Amateur ist heute auf Grund der günstigen Preise in der
Lage, sich ein aufwändiges Heimstudio einzurichten.
Home-Recording ist das angesagte Stichwort.
Der Bühnenmusiker andererseits kann
auf Grund dieser Technik mit seinem Keyboard ganze Orchester
allein ansteuern. Während unser Bandtraum früher darin
bestand, ein
Mellotron
(eigentlich nichts anderes als ein Riesentonbandgerät)
anzuschaffen, um originale Streich- oder Blasinstrumente
erklingen zu lassen, sind heute selbst in der allerkleinsten
Tastenkiste fette Bläsersätze und dicke Streicherteppiche
die reine Selbstverständlichkeit.
Ich möchte daher in diesem Kapitel
gar nicht erst versuchen, umfassend darzustellen oder gar
aktuell zu sein, sondern werde mich bemühen, neben einem
kleinen geschichtlichen Überblick und einigen
spieltechnischen Ansätzen lediglich allgemein gültige
Merkmale aufzuzeigen.
Die
Hammond-Orgel
top
Beileibe ist nicht alles, was Tasten
hat, ein Keyboard. Ich fände es beleidigend, ein so
würdevolles Instrument wie den Flügel als "Tastenbrett" zu
bezeichnen. Und auch ein Klavier bleibt ein Klavier, ebenso
ist eine Orgel immer eine Orgel.
Nein, zum Keyboard wurden die
Tasteninstrumente erst, als die Elektronik sich zu den
weißen und schwarzen Tasten gesellte, als die Tonerzeugung
künstlich wurde und die Töne dadurch erklingen konnten, dass
man das "Tastenbrett" an einen Extraverstärker anschloss.
Mit Keyboards sind also jene Tasteninstrumente gemeint, die
nicht aus sich selbst heraus Schallwellen erzeugen.
Angefangen hat das alles - bei
genauer Betrachtung - nun aber doch mit einer Orgel, nämlich
der Hammond-Orgel. Ihre Entwicklung beruhte nämlich
auf einer Reihe von Zufällen. Ihr Erfinder - der Amerikaner
Laurens Hammond - war ein allseitig interessierter
Tüftler, der Maschinenbau- und Elektrotechnik studiert
hatte. Bereits davor hatte er Patente angemeldet. Neben
seinem Studium verfasste er erfolgreich ein Drehbuch für
einen Film.
In einer Firma für Schiffsmotoren
angestellt, erfand er 1920 eine Uhr, deren lärmender Antrieb
durch ein Gehäuse abgedämpft wurde. Das Ding wurde ein
Erfolg, und Hammond machte sich als Erfinder selbstständig.
Über verschiedene Stationen ging es weiter mit ihm:
Entwicklung eines Gleichlaufmotors - Erfindung der
rot-grünen 3-D-Brille - Umwandlung des Wechselstroms in
Gleichstrom fürs Radio durch die so genannte A-Box - die
elektrische Uhr - 1928 Gründung der Hammond-Clock-Company.
Das Geschäft mit den elektrischen
Uhren lief aber nicht besonders und brachte die Firma bald
an den Rand des Bankrotts. Immer wieder beschäftigte Hammond
sich mit seinem Gleichlaufmotor und Überlegungen, wo der am
sinnvollsten einzusetzen sei. Etwa 1933 gingen seine Ideen
hin zu einer musikalischen Anwendung. Der
Tone-Wheel-Generator war geboren.
Darunter war ein kleines, auf einer
Motorwelle konzentrisch befestigtes Rad von der Größe eines
Zweimarkstückes zu verstehen. Das Rad war jedoch nicht glatt
am Rand, sondern sah aus wie ein Zahnrad. Dieses drehte sich
vor einem Elektromagneten.
Wer gut im Physikunterricht
aufgepasst hat, kann nachvollziehen, was dabei passierte.
Wie wir dort - hoffentlich - gelernt haben, erzeugt ein
stromdurchflossener Leiter ein Magnetfeld. Umgekehrt wird
auch ein Schuh daraus. Bewegt man einen Draht oder ein
Metallstück im Magnetfeld eines Dauermagneten, so wird ein
Strom erzeugt, der von der Bewegungsgeschwindigkeit und der
Entfernung des Metalls abhängt.
Hammond zog aus dieser Lehre den
Schluss, dass durch die Zacken des Radrandes das Magnetfeld
dauernd unterschiedlich beeinflusst wird, also ständig in
regelmäßigem Abstand der induzierte Strom zu- oder abnimmt.
Er wickelte um den Magneten einen Draht und konnte so den
induzierten Strom ableiten und verstärken. In einem Radio
konnte der verstärkte Strom über Lautsprecher hörbar gemacht
werden, weil die dauernde Stromänderung ein dauerndes
Auslenken der Lautsprecher-Membran erzeugt und somit
tonerzeugende Schallwellen entstehen. Hammond hatte durch
seine Experimente das Prinzip aller Musikinstrumente
erfasst, nach dem bestimmte Schwingungsmuster in Töne
umgewandelt werden. Nun war es ihm gelungen, dies unter
Einsatz elektrischer Energie darzustellen.
Allerdings war es ihm bis jetzt nur
möglich, einen einzelnen flötenähnlichen Ton zu erzeugen. Zu
einem komplexen musikalischen Klang bedurfte es noch vieler
Anstrengungen. Vielfältig und entnervend waren die Versuche,
bis Hammond ein altes Klavier kaufte und die Tastatur
benutzte. Unter jede Taste wurden elektrische Kontakte
angebracht, die mit Drähten an einer eigenen
Tonrad-Magnet-Kombination angeschlossen waren. Der sehr
genau drehende Gleichlaufmotor trieb über ein kompliziertes
Übersetzungsgetriebe 91 unterschiedlich große Tone-Wheels
mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten an, die in 91
Magneten Strom induzierten. Drückte man eine Taste, so
wurden dadurch eine Reihe von Schaltern betätigt, die den
jeweiligen Stromkreis schlossen, zusätzlich aber die
Möglichkeit eröffneten, zu jedem Ton füllende Obertöne über
die Zugriegel hinzuzumischen. Das alles wurde in ein Gehäuse
eingebaut, in das auch Verstärker und Lautsprecher
integriert waren. Zusammen wog das etwa drei bis vier
Zentner.
Damit war die Hammond-Orgel geboren.
Am 24. April 1934 wurde Hammond dafür in Washington das
Patent erteilt. Diese Kirchenorgel in der Kiste, wie man sie
nannte, wurde in der Folgezeit weltberühmt. Sie wurde als
vollwertiger Ersatz für die Pfeifenorgel angesehen.
Testpersonen hielten sie bei einem Hörvergleich für eine
solche. Das elektromagnetische Prinzip wurde bis 1967
durchgehalten. Dann ging die Hammond-Organ-Company dazu
über, Orgeln mit elektronischen Teilen zu bauen. Diese
hatten aber zunächst nicht mehr das Flair und auch nicht
mehr den so typischen Klang. Später wurde Hammond von der
japanischen Firma Suzuki übernommen. Die Erzeugung
von digitalen Klängen machte bei Hammond-Suzuki den Bau der
Hammond XB-3
möglich; sie ist optisch ein Nachbau der B-3 und kostet rund
10 000 Euro. Technisch aber ist sie ein voll digitales
Instrument. Der alte Hammond-Klang wurde sorgfältig
nachgebildet. Kritiker meinen, dass die Orgel so klingt, wie
eine Hammond eben klingen sollte.
Natürlich wurde die Hammond seit
1934 immer wieder verbessert und erweitert. 32 Zugriegel,
etliche Preset-Tasten, die legendäre Hammond-Hallspirale und
der Röhrenverstärker machten sie zu dem Tasteninstrument
schlechthin. Verschiedene Modellreihen für unterschiedliche
Anforderungen wurden aufgelegt. Modelle wie die A-100
oder B-3 waren und sind gerade in Rockmusikerkreisen
heute noch angesagt, obwohl es sie nur noch gebraucht gibt
und sie immer noch teuer sind. In einer meiner eigenen
Gruppen hatten wir eine E-100, ein zweimanualiges
Modell mit Vollpedal. Wenn ich mich an den Transport dieses
Gerätes erinnere, wird mir jetzt noch flau.
Was macht denn eigentlich den
Hammond-Klang so erstrebenswert, dass jeder Soundbastler
heute bestrebt ist, ihn in seinem Synthesizer oder seinem
Expander oder Sampler möglichst originalgetreu nachzubilden?
Nun, da ist erst mal der Sinusklang, die reine Wellenform,
die durch die Generatordrehung erzeugt wird. Die dazu über
die Zugriegel hinzugemischten Obertöne bleiben harmonisch,
da sie in einem bestimmten Zahlenverhältnis zum Grundton
stehen.
Ein weiteres wichtiges Element des
Hammond-Klanges ist der so genannte Klick, also das
elektrische Knacken der Tastenkontakte. Man möchte meinen,
das ist eher ein Schönheitsfehler, aber gerade dieser Klick
macht den Ton so lebendig, dass er in modernen Keyboards
künstlich erzeugt wird.
Weiterhin gehört zur Hammond der
Röhrensound mit dem sahnigen bis rauen Überzerren des
Klanges, je nach Lautstärke. Erst dadurch geht bei so
mancher Rock-Band der 60er und 70er die Post ab.
Leslie-Rotations-Lautsprecher
top
Nicht zuletzt aber muss man ein
Zusatzgerät nennen, das jeder Hammond-Spieler unbedingt
neben seiner "Kistenorgel" stehen hat: eine weitere Kiste
namens "Leslie".
Der Amerikaner Donald
James Leslie (*
1911;
† 2.
September
2004)
entwickelte und produzierte
das nach ihm benannte
Leslie
Lautsprecher-Kabinett
(auch: „Rotary Speaker“),
das den Klang der
Hammondorgel
erweiterte und in der
Popularmusik
etablierte.
Leslie experimentierte schon
früh mit zusätzlichen
Geräten und Lautsprechern,
um den nahezu sinusförmigen
Klang der Hammondorgel zu
verbessern. Er verfügte über
Erfahrungen als
Elektroniker, die er in
früheren Jobs sammeln
konnte. Unter anderem
arbeitete er in einer
Reparaturwerkstatt für
Radios und im
Naval
Research Laboratory
in
Washington, D.C.
während des
Zweiten Weltkriegs.
Als Leslie dem
Orgelhersteller „Hammond“
1940 seinen handgefertigten
Orgellautsprecher
vorstellte, wies die Firma
ihn zurück. Daraufhin
entschied sich Leslie, die
Lautsprecher in seiner
eigenen Firma Electro Music,
Pasadena selbst zu fertigen.
Der Leslie-Lautsprecher
erlebte seinen kommerziellen
Durchbruch durch die
Verwendung in der
Pop-
und Rockmusik der
1960er
und
1970er. Erst in den
1980er Jahren wurden Leslies
Produkte offiziell von
„Hammond“ unterstützt. Heute
baut die Nachfolgefirma
„Hammond Suzuki USA“ selbst
Rotor-Lautsprecher mit dem
Markennamen „Leslie“.
Unabhängig von
diesen Marketingproblemen wurden von
findigen Musikern und Technikern beide
Systeme seit den
1960er-Jahren miteinander kombiniert
und prägen seit dem den Sound der
Hammondorgel entscheidend mit.
Der
ursprüngliche Name des Leslie-Lautsprechers
war „Vibratone“, er wurde aber auch
„Brittain Lautsprecher“ genannt: 1941 begann
Leslie eine Teilhaberschaft mit einem Lou
Brittain, diese wurde nach dem Krieg wieder
aufgelöst. Leslies waren auch als „Hollywood
Lautsprecher“ (sie wurden in Kalifornien
nahe Hollywood
gebaut) und „Crawford Lautsprecher“
(Organist Jesse Crawford war der erste
Leslie-Verkäufer im New York-Bereich)
bekannt. 1946 wurde der Name wieder in
„Leslie Vibratone“ geändert, um das
Durcheinander zu beenden. Die meisten Leute
nannten sie einfach „Leslie“ und 1949
ließ Leslie den Namen „Vibratone“ fallen.
Das
Leslie-Kabinett
ist eine ganz besondere Sache. Es enthält zwei Verstärker.
Der eine treibt ein Hochtonhorn an, das oben im Gehäuse
sitzt, der andere steuert einen Basslautsprecher unten im
Kasten.
Der Clou an der Sache ist, dass das
Hochtonhorn - durch einen Motor angetrieben - rotiert, während
ein weiterer Motor eine Trommel um den Basslautsprecher
drehen lässt. An der Orgel neben dem Manual kann man mit
einem Schalter die Motoren in drei Bereichen steuern:
Stillstand - langsames Drehen - schnelles Drehen. Bei
langsamer Umdrehung entsteht durch das rundum abstrahlende
Leslie ein raumfüllender chorusähnlicher Orgelklang, bei
schneller Umdrehung ein ebensolcher Vibratoeffekt. Es
versteht sich von selbst, dass der Leslie-Effekt heutzutage
hervorragend von digitalen Effektprozessoren nachgebildet
werden kann. Man findet ihn in der Regel unter dem Menüpunkt
"Rotary".
Dennoch sind viele Organisten nach
wie vor der Meinung, dass nur eine "echte Hammond" (die
elektromagnetische) in Kombination mit einem "echten Leslie"
den wahren Sound erzeugen kann. Das Transportproblem lösen
dann die Roadies.
Monophone Synthesizer
top
Wie ging es nun nach dem
durchschlagenden Erfolg der Hammond weiter auf dem Weg hin
zum modernen Keyboard? Im Zuge der elektronischen
Entwicklung fand man bald heraus, dass Wellenformen auch auf
rein schaltungstechnischem Weg zu erreichen waren ohne den
Aufwand des Tonwellen-Generators. Wenn also für jeden zu
erzeugenden Ton eine entsprechende Schaltung zur Verfügung
stand, konnte man den gesamten Bereich der Klaviertastatur
abdecken. Allerdings nahm ein solches Konzept und die zu
Beginn dazu gehörenden Röhrenschaltungen sehr viel
Raum ein. Die ersten Geräte, die künstliche Klänge erzeugen
konnten - die ersten Synthesizer - waren deshalb
raumfüllende Monster, die allenfalls für Institute, aber
kaum für Musiker geeignet waren.
Erst die Entwicklung des
Transistors und die damit verbundene
Transistorschaltung reduzierten das Ganze auf ein
erträgliches Maß. So kamen dann in den 50er und 60er Jahren
verschiedene Transistororgeln auf den Markt, die alle
irgendwie einen Orgelklang und seine Abarten zu imitieren
suchten. Auch Zusatzinstrumente gab es, die durch ihre
spezielle Klangfilterung wie Streichorchester klangen und
auch so hießen.
Diese Instrumente arbeiteten fast
ausnahmslos mit einer Frequenzteiler-Schaltung. Für
die Töne der höchsten Oktave waren die entsprechenden
elektronischen Schaltungen (Master-Oszillatoren) vorhanden.
Die Signale der darunter liegenden Oktaven wurden davon mit
Hilfe der Frequenzteilung abgeleitet. Das ist technisch
nicht schwer. Der Kammerton A hat bekanntlich eine
Frequenz von 440 Hz. Der Oktavton A darunter ist
demnach auf 220 Hz zu bringen.
Der Klang von Orgeln jener Zeit war
aber keineswegs berauschend, da die Schaltungen und
Filtermöglichkeiten noch recht bescheiden waren. So gingen
die Entwickler daran, auf Grund dieser Erfahrungen auch
transportable Synthesizer zu bauen, also Geräte mit
umfassenden Filterungen, mit denen man in der Lage war,
Klangspektren nachzubilden oder gar völlig neu zu formen.
Jede
Firma schlug ihren eigenen Weg ein. Aber ein Synthesizer der
sich langsam herausbildenden Generation ragte aus der Menge
hervor und wurde zur Legende: der
Minimoog. In ihm waren
all die Erfahrungen eingeflossen, die sein Entwickler
Bob Moog schon Jahre
zuvor mit seinen Riesensynthies in
Modulbauweise
gesammelt hatte. Der Minimoog wurde 1970 auf den Markt
gebracht, war absolut klein und transportabel, und er hatte
den Sound, der einen damals umhaute. So dick und fett und
variabel war bisher noch kein Synthesizer mit seinen Klängen
dahergekommen. Dieser unverkennbare Klang ergab sich aus der
Tatsache, dass gleich drei Oszillatoren im Mini wohnten, die
Rechteck- und Sägezahnwellen erzeugten. Es konnten also
gleich drei Quellen zur Formung des Sounds verwendet werden.
Diese konnten auch noch verschiedene Filter- und
Modulationsstufen durchlaufen.
Auch die Bedienungsfreundlichkeit
des Minimoog war sprichwörtlich. Es war ein analoger
Synthesizer. Das bedeutet, dass der Klang durch das
Durchlaufen der Wellenformen durch die elektronischen
Schaltungen und Filter entsteht. Zur Bedienung dieser
Schaltungen stehen dem Musiker Schalter und Knöpfe
zur Verfügung, deren Zustand er direkt überblicken kann.
Einen analogen Synthesizer erkennt man also daran
(vereinfachend ausgedrückt), dass man sieht, was man tut.
Die wesentlichen Bauelemente analoger Synthesizer sind
VCO (Voltage Controlled Oscillator =
spannungsgesteuerter Oszillator), VCF (Voftage
Controlled Filter = spannungsgesteuerter Filter), VCA
(Voltage Controlled Amplifier = spannungsgesteuerter
Verstärker) und LFO (Low Frequency Oscillator). Die
Größenanordnung der Steuerspannung nimmt also immer Einfluss
auf die Klangformung. Je mehr Oszillatoren ein Synthesizer
hat, desto voller und fetter ist der Klang, siehe Minimoog.
Wellenformen, die mit
Oszillatoren erzeugt werden können:
|
 |
 |
 |
 |
 |
|
Dreieck |
Sägezahn |
Rechteck/Puls |
Sinus |
Random |
So konnte der Musiker locker am
Minimoog herumschalten und -drehen und das Ergebnis seines
Tuns sofort am Klang messen. Es gibt kaum einen Synthesizer,
der so tolle Bläser- oder Basssounds hervorbringt wie der
Minimoog - auch heute noch, aber auch beim Erfinden von
Klängen ist er super. In vielen modernen Sample-Keyboards
findet man genau jene Sounds wieder: "Moog Bass" heißt es da
oft. Auf den Platten von Emerson, Lake & Palmer wurde
dem Minimoog ein Denkmal gesetzt. Viele der Emerson-Sounds
übrigens wurden dem Minimoog vom Hersteller als
Einstellungsvorschlag per Stylesheet beigegeben.
Einen Nachteil hatte der Minimoog
unbestritten: er war nur monophon. Man konnte auf der
Tastatur nur jeweils einen einzelnen Ton anschlagen. So war
der Minimoog daher immer nur ein Synthesizer für das
Solospiel.
Zum Schluss die Nachricht für alle
Minimoog-Trauernden: Es gibt ihn wieder! Als Moog Voyager PSE erfuhr
er ein komplettes Redesign, ist aber
weiterhin ein monophoner analoger Synthesizer. Er enthält alle wesentlichen
Klangeigenschaften und Funktionen des originalen ”Model D” Minimoogs. Einige
zusätzliche moderne Features wurden ihm aber spendiert, inklusive einer
multidimensionalen Touchpad-Einheit, einer MIDI Schnittstelle mit MIDI
IN, MIDI OUT und MIDI THRU sowie umfassenden Verknüpfungsmöglichkeiten.

| Die Abbildung des Modul-Moog
erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Kevin Lightner. Leider
hat er seine Seite
www.synthfool.com wegen Diebstahls
von Inhalten weitgehend geschlossen.
Einige Hinweise gibt´s aber noch. |
Polyphone
Synthesizer
top
Der Fortschritt bei den Keyboards
war nicht mehr aufzuhalten. Sicher ist sein Verlauf mit der
ebenso rasanten Entwicklung im Computerlager zu sehen.
Integrierte Schaltkreise (ICs) benötigten immer weniger
Raum. Der Trend ging in Richtung Polyphonie (=
Vielstimmigkeit), die Möglichkeit, auf dem Synthesizer wie
auf der Orgel mehrere Stimmen gleichzeitig erklingen zu
lassen. Auch hier war es Moog, dem die
Vorreiterstellung zukam. Mit seinem Polymoog, der
1976 herauskam, erfüllte er die Wünsche vieler Musiker, mit
den Synthiesounds auch breite Klangteppiche legen zu können.
Kurz darauf folgten auch andere
Hersteller mit polyphonen Synthesizern, etwa Sequential
mit dem legendären Prophet V, Korg mit dem
PS 3100 oder Yamaha mit dem CS 80.
Allerdings hieß polyphon durchaus nicht, dass man alle
Tasten gleichzeitig erklingen lassen konnte. Der Prophet war
lediglich fünfstimmig polyphon, der CS 80 achtstimmig. Nur
die Korg-Modelle und der Polymoog waren vollpolyphon,
beim Korg gab's damals 48, bei Moog gar 71 Stimmen. Nun kann
man einwenden, dass man so viele Finger doch gar nicht
gleichzeitig zur Verfügung hat. Aber es könnte doch mal
sein, dass man eine Soundeinstellung hat, bei der
vorausgehende Töne gehalten werden sollen. Das ist aber nur
bei voller Polyphonie möglich, beim Prophet würden beim
Halten von mehr als fünf Tönen dann die neu angeschlagenen
erklingen.
 |
|
Korg PS3100 |
Nun hat man dem Polymoog
vorgeworfen, dass er gar kein richtiger Synthesizer war,
weil er mit der Frequenzteller-Schaltung arbeitet. Er besaß
nämlich nur 12x2 Master-Oszillatoren in der untersten
Oktave. Aber man überlege mal, welch technischer Aufwand
nötig gewesen wäre bei 7-12 Oszillatoren. Allerdings hatte
die Polymoog-Schaltung noch andere Feinheiten, etwa einen
speziell entwickelten Chip mit Mehrfachfunktion, so dass im
Endeffekt sicher das Argument der Moog-Ingenieure richtig
ist, es komme schließlich nicht darauf an, wie man einen Ton
erzeuge, sondern was der Musiker höre. Und das war
überzeugend. Allerdings war der Klang eines einzelnen
Polymoog-Tones nicht ganz so fett wie beim Minimoog, aber
der hatte eben auch drei Oszis.
In der Zeit des Polymoogs entstand auch der
erste rein digitale Synthesizer. Das war der RMI Keyboard
Computer KCII, den man 1977 bei uns für schlappe 20.000 DM erwerben
konnte. Kein Wunder, dass das Ding nur ein Geheimtipp für
Großkapitalisten blieb. Der Name des Gerätes gibt schon den Hinweis auf
den Unterschied zwischen analoger und digitaler Klangerzeugung. All die
Filter und Schaltkreise des analogen Gerätes fehlen beim digitalen
Synthesizer. Bei ihm werden rechnerisch ermittelte Grundwellenformen
gespeichert. Aus diesen können neue Wellenformen und Lautstärkeverläufe
errechnet werden. Es geschieht alles genau wie in einem Computer.
Und noch ein weiterer Unterschied:
Während die analogen Synthies ihre Klänge durch
subtraktive Synthese erreichen, sind digitale
Synthesizer in der Lage, Sounds durch additive Synthese
zu erzeugen. Subtraktiv heißt, dass aus
Grundwellenformen durch Herausfiltern neue Klänge
entstehen. Beim additiven Verfahren werden
durch Zusammenfügen von Basiswellenformen neue
entwickelt. In dieser Hinsicht stand der RMI allein auf
weiter Flur.
Digitale Synthesizer
top
Bis etwa 1984 noch beherrschten die analogen Synthesizer in allen Variationen den Markt. In diesen allerdings hatten die japanischen Hersteller sich förmlich hineingeboomt und boten fast monatlich neue erweiterte Modelle zu erstaunlich niedrigen Preisen an. Etablierte Firmen wie Moog und Sequential konnten da nicht mithalten oder hatten die Entwicklung verschlafen. Zum Bedauern vieler Musiker verschwanden sie in der Versenkung.
Eine neue Synthesizer-Aera brach an. Die digitalen Geräte waren auf dem Vormarsch. Trotz der auch heute noch anerkannten Stärken der analogen Synthesizer bescherten sie den Musikern neue Klangwelten, angefangen beim
DX 7 von Yamaha. Insbesondere bestachen die neuen Synthies durch die glasklaren und transparenten Sounds im Bereich der percussiven Klänge, etwa bei Klavier- oder Glockennachbildungen. Auch die neue Art der Klangherstellung durch die Frequenzmodulation (FM-Synthese) ließ viele Keyboarder nächtelang nicht schlafen.
Die digitale Ebene der neuen Keyboards brachte einige Vorteile: die Sounds konnten abgespeichert oder eingeladen werden. Außerdem war es durch eine neue Norm (siehe Midi) nunmehr möglich, Keyboards auch verschiedener Gerätehersteller miteinander zu verkoppeln oder sie per Computer anzusteuern. Das kurbelte wiederum den Software-Markt gewaltig an. Lade-, Bearbeitungs- und Sequenzerprogramme waren plötzlich erhältlich, zunächst für den C-64 von Commodore. Bald aber wurde hier in Deutschland der Atari ST zum führenden Steuercomputer für die Keyboard-Software.
Und es bleib nicht bei den Keyboards. Rund um die Tasten türmten sich immer mehr ergänzende Geräte auf. Expander erweiterten das Klangangebot des Keyboards um Hundertschaften. Ein Expander ist ein Synthesizer ohne Tastatur, der von einem anderen MIDI-Keyboard via MIDI angesteuert werden kann. Spezielle Masterkeyboards wurden entwickelt, die keine eigene Klangerzeugung besaßen, sondern ausgefeilte Möglichkeiten zur Ansteuerung von Expandern boten. Drumcomputer brachten einem den nachbarfreundlichen Trommler ins Haus.
Die Übersicht über die Entstehung der Klänge war allerdings auf diesen digitalen Anlagen schwer zu gewinnen. Clevere Sound-Profis nutzten das aus und boten komplette Soundpakete auf Diskette oder Eprom zum Kauf an. Nachteil dabei war, dass nun bald alle DX-7-Spieler die gleichen Klänge benutzten, so dass man irgendwann genug davon hatte.
Auch setzten sich immer häufiger Expander durch, die reine Preset-Geräte waren, d.h. in ihnen konnte man keine Klänge erstellen oder bearbeiten, sondern nur fertige Klänge abrufen. Beim sensationell günstigen FB-01 von Yamaha standen fünf Soundbänke mit je 48 Sounds zur Verfügung. Der
Oberheim Matrix 1000 kam gleich mit 1000 Klängen daher. In der persönlichen Praxis habe ich festgestellt, dass diese Vielfalt so doll gar nicht ist, weil man am Ende doch nur die Hand voll Sounds verwendet, die einem gut ins eigene Konzept passen.
Wer nun glaubt, dass damit die Keyboardentwicklung zu einem Ende gekommen ist, täuscht sich. Es geht weiter. Die letzten Jahre haben uns die Sampler beschert. Sampler sind digitale Geräte, die in der Lage sind, beliebige Klänge aufzunehmen und zu speichern. Die Aufnahme geschieht aber nicht wie beim Tonband, sondern wiederum digital. Das Schallereignis kann mit einem Mikrofon oder einer anderen beliebigen Schallquelle aufgefangen und im Sampler zu einer computergerechten Information gewandelt werden. Anschließend kann man mit einem Keyboard diese Information aus dem Speicherchip des Samplers abrufen, das digitale Ereignis wird wieder gewandelt und über einen Verstärker hörbar gemacht. Es passiert in einem Sampler genau das, was uns mittlerweile durch CD oder CD-Brenner bekannt ist.
So ist es also möglich, in das Sampler-Mikrofon heftig hinein zu husten, es abzuspeichern und anschließend auf dem Keyboard in allen Oktaven zu spielen. Die Klangqualität hängt dabei von der Speichergröße und dem Auflösevermögen (sampling rate) des Samplers ab. Die Firma Akai, ursprünglich ein HiFi-Hersteller, brachte ca. 1985 mit dem SG12 den ersten erschwinglichen und leistungsfähigen Sampler heraus. Auch Ensonique machte sich einen Namen.
Innerhalb weniger Jahre sind erstaunliche Sampler auf den Markt gekommen, die hauptsächlich für Natursounds eingesetzt werden. Dies ist auf die immer ausgedehntere Speicherfähigkeit neuerer Computerchips zurückzuführen. Es ist kein Problem, mit einem Sampler ganze Orchester zu ersetzen. Vielfach geschieht das in der Plattenindustrie auch. Allerdings wird dort mit den Computersystemen Fairlight oder Synclavier gearbeitet, die beide sündhaft teuer sind.
 |
| Fairlight III |
Im Zuge der erweiterten Software fürs Recording ist es allerdings inzwischen auch möglich, das ganze Sampling-Verfahren über geeignete Programme laufen zu lassen. Es gibt sowohl Software als reine Sample-Player, als auch für das eigene Aufnehmen und Bearbeiten von Samples.
Wiedergeburt
top
Die Digitalisierung der
Keyboards hat neuerdings zu ganz verblüffenden Ergebnissen
geführt. An anderer Stelle habe ich erwähnt, dass die
Hammond B3 in digitaler Form wiederbelebt wurde. Genau so
ist es mit einem ähnlich legendären Instrument der 1960er
und 1970er Jahre, dem Mellotron. Die Berliner Firma
Manikin-Electronic hat das Mellotron digitalisiert. Es heißt
nun Memotron.

Memotron
Vom Aussehen her ist es dem
Original sehr gut nachempfunden, nur ist es platt wie eine
Flunder und eignet sich daher hervorragend als
Keyboardaufsatz für den Prog-Rock/Klassik-Rock-Keyboarder.
Eine
umfangreiche Sound-Bibliothek mit hochwertigen Samples von
originalen Instrumenten aus jenen Jahren lässt die
legendären Sounds von Pink Floyd, den Beatles, Procol Harum,
Genesis, aber auch Klaus Schulze und Tangerine Dream erleben.
Die Sounds können von CD geladen, individuell
zusammengestellt und auf Compact Flash Karte gespeichert
werden. Die Vintage Collection enthält die unveränderten
Mellotron-Sounds, die naturgemäß auch entsprechend leierig
und Low Fi klingen. Die Studio Collection wartet mit Samples
höchster Qualität auf. Das ganze hat natürlich seinen Preis.
Für ein solch exotisches Instrument muss man knapp 2000 Euro
hinblättern. Das ist allerdings - verglichen mit dem
Original, das übrigens als Mellotron Mark V aktuell auch
wieder auf dem Markt ist - ein Schnäppchenpreis. Ob man´s
braucht, muss jeder für sich entscheiden. Schließlich bieten
moderne Keyboards heute schon alle Sounds, die man sich
überhaupt denken kann.
Workstations
top
Nachdem nun in wenigen Jahren das Gebirge der Klangkästen rings um den gequälten Keyboarder bedrohlich angewachsen ist, hat die Musikindustrie das nächste Kapitel aufgeschlagen. Bitte schön, lieber Keyboarder, jetzt ist es an der Zeit, dass du den ganzen teuer erkauften Krempel schleunigst verhökerst und dich in den neuen Trend einreihst!
Workstations sind angesagt! Arbeitsstationen sollen alles gleichzeitig in einem Gerät bieten: Masterkeyboard, Expander, Sampler, Drumcomputer, Sequenzer, ausgedehnte MIDI-Funktionen. Nur noch ein einsames Tasteninstrument, das uns rundum glücklich macht. Nie wieder brauchen wir etwas anderes, oder? Das wiederum muss jeder für sich entscheiden. Workstations wurden der Renner. Korg setzte mit der M1 einen Standard. Kaum eine Firma, die ihr neues Keyboard nicht irgendwie Workstation nannte.
 |
| Korg M1 |
Ergänzen möchte ich noch, dass alle diese Keyboard-Entwicklungen nicht unbedingt auf die Gruppe "Bandmusiker" abzielen, sondern dass sich eine ganz andere Zielgruppe aufgetan hat. Das sind die so genannten "Homerecorder", also Musiker, die zu Hause allein im Kämmerlein (das manchmal ein ausgewachsenes Tonstudio ist) ihre Musik aufnehmen und derlei ausgefuchste Geräte dabei natürlich vorzüglich einsetzen können, weil man damit jedwedes Instrument zur Verfügung hat und selbst in aller Ruhe die Sounds einspielen kann.
Aber die digitale Entwicklung ist an den anderen Bandmusikern auch nicht spurlos vorbei gegangen. Durch spezielle Mikrofone, die der Drummer an seinem Kit befestigt, kann er durch MIDI elektronische Drums, Sampler oder sogar Expander ansteuern (triggern). Das tollste Ergebnis bringt das umgekehrte Verfahren, indem der Drummer auf E-Drums spielt und in einem Sampler Natursounds erklingen lässt, die er ja eigentlich direkt spielen könnte. Da wird die Sache jedenfalls für mich doch fragwürdig.
Der midifizierte Gitarrist hingegen ist locker in der Lage, mit normalem Gitarrenspiel Synthies jubeln zu lassen. Natürlich muss die Gitarre besonders vorbereitet sein. Und auch Sänger können ohne weiteres mit entsprechender Ausrüstung per Mikrofon Bläser, Streicher oder Chöre erwecken.
So befinden wir uns gegenwärtig im Schlaraffenland der Musik. Alles ist möglich. Grenzen sind nicht zu erkennen. Doch seltsamerweise ist dennoch ein Ergebnis der Hochtechnologie auszumachen. Viele Musiker - gerade auch die jungen - besinnen sich wieder auf die reine Lehre vom Instrumentalspiel, bauen plötzlich wieder Marshalltürme auf oder suchen nach den alten Hammond-Sounds und spielen geraden Rock oder Blues. Die Keyboarder entdecken wieder Klavier und Flügel. Und nicht von ungefähr taucht aus der Versenkung das gute alte E-Piano von
Fender-Rhodes (zwar bei einer anderen Firma und nun digitalisiert) mit seinem unvergessenen und unverkennbaren Sound auf, den so viele Programmierer auf dem DX-7 so gerne hingekriegt hätten. Tröstlich, dass es in der Welt der Tasten Klänge gibt, ohne die die Rockmusik ärmer wäre.
MIDI
top
Du wirst dich sicher schon gefragt haben, was es denn eigentlich mit MIDI auf sich hat. MIDI kann die verschiedensten Geräte miteinander verbinden. MIDI vermittelt den Geräten eine allen verständliche Dateninformation. MIDI ist die Abkürzung für "Musical Instrument Digital Interface". Übersetzt heißt das "Digitale Schnittstelle für Musikinstrumente". Schnittstellen kennt man eigentlich aus dem Computerwesen, und genauso funktioniert MIDI auch.
Mitte der 80er Jahre Jahren einigten sich die führenden Instrumentenherstellern in der International MIDI Association auf diesen gemeinsamen Nenner, so dass es nun möglich war, Geräte auch verschiedenener Hersteller miteinander zu verkoppeln oder sie per Computer anzusteuern. Das war auch dringend nötig, denn gerade zu der Zeit wurden die Keyboards digital, hatten die Homecomputer einen Boom, und die erste Musiksoftware in Form von Sequenzerprogrammen kam auf den Markt.
Der MIDI-Standard setzt voraus, dass alle MIDI-fähigen Geräte eine genormte Anschlussmöglichkeit besitzen und einen gemeinsamen Weg der Datenverarbeitung beschreiten, der im MIDI-Protokoll festgelegt ist. Die Anschlussmöglichkeit hat man durch die MIDI-Anschlussbuchsen geschaffen, die den bekannten 5-poligen Stereo-DIN-Buchsen entsprechen, aber anders beschaltet sind. In der Regel finden wir drei Buchsen an den Geräten:
MIDI-In: Mit diesem Anschluss kann das Instrument Daten empfangen.
MIDI-Out: Damit ist es möglich, Daten zu senden.
MIDI-THRU (= Through): An dieser Buchse werden die am Eingang anliegenden Daten nur durchgeschleift, d.h., man kann ein weiteres Gerät anschließen, wenn man es mit den gleichen Daten füttern will.
Um MIDI-Instrumente mit einem Computer ansteuern zu können, muss man den Computer noch mit einem speziell für ihn beschaffenen Verbindungsglied, dem MIDI-Interface, ausrüsten. Atari-Computer hatten ein solches Interface sinnvollerweise schon eingebaut. Moderne Soundkarten haben alle eine MIDI-Schnittstelle. Spezielle MIDI-Interfaces enthalten meist mehrere MIDI-Outs und Throughs, so dass man damit die Signale schon prima auf die Instrumente verteilen kann. Wem das - bei entsprechend großem Gerätepark - nicht ausreicht, kann sich eine so genannte MIDI-Patchbay zulegen, ein elektronischer Verteiler mit vielen Ein- und Ausgängen und entsprechenden elektronischen Umschaltern. Eine solche Patchbay ermöglicht das Zusammenschalten der verschiedensten Gerätekonfigurationen, ohne dass die Kabel dauernd umgesteckt werden müssen.
Die
Verkabelung der MIDI-Instrumente erfolgt mit MIDI-Kabeln, die nach der MIDI-Norm beschaffen und verschaltet sind. Es gilt immer die Steckrichtung: OUT nach IN, IN nach OUT, THRU nach IN. Zur Not lassen sich aber auch die 5-adrigen Kabel der deutschen Stereo-Norm einsetzen. Überhaupt soll man die MIDI-Kabel nur bei ausgeschalteten Geräten stecken, da sonst (trotz elektronischer Entkopplung der MIDI-Schnittstelle) eventuell ein Kurzschluss entstehen kann und die Anlage beschädigt wird. Insgesamt muss die Gesamtverkabelung der MIDI-Anlage wohl überlegt sein, denn die Datenübertragung hat ihre eigenen Grenzen.
Die MIDI-Schnittstelle ist nämlich eine serielle Schnittstelle. Computerkenner wissen, dass dies für den Datenfluss nicht so günstig ist. Schnelle Computer zeichnen sich aus durch parallele Datenübermittlung, etwa an den Drucker oder die Floppy. Die serielle Schnittstelle ist - um einen Vergleich zu benutzen - die schmale Landstraße, während die parallele Schnittstelle einer 8-spurigen Autobahn ähnelt. Daten im MIDI-Verbund werden also schön der Reihe nach rübergereicht.
Die MIDI-Instrumente übergeben sich die Daten genau wie Computer im binären Code, der über die Kabel in Form von Spannungszuständen gelangt. Binär heißt, dass es nur zwei Zustände gibt: An / Aus oder 0 / 1. Jeder einzelne Zustand wird der Reihe nach gesendet und hat die Bezeichnung Bit (= Stück). Bei einem ausgehenden Signal hat das Bit 0 den höchsten Spannungszustand, der +5 Volt entspricht. Das Bit 1 hingegen hat den Niedrigpegel 0 Volt.
Beim Empfangsgerät werden die ankommenden Bits zu einer übergeordneten Einheit zusammengefasst. Acht Bits ergeben jeweils ein Byte. Byte ist ein englisches Kunstwort, abgeleitet von "by eight". Ein Byte ermöglicht die Übertragung von 256 An/Aus- oder 0/1-Kombinationen.
8 Bits = 1 Byte | | 0 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 1 | |
|
1 MIDI-Byte | Start | 0 | 1 | 0 | 0 | 1 | 0 | 0 | 1 | Stop |
Das aus acht Bits gebildete Byte stellt für den MIDI-Empfänger ein Datenwort dar. Damit er auch weiß, wann dieses Wort anfängt und endet, fügt der Sender dem Datenwort noch jeweils ein Start-Bit und ein Stop-Bit am Anfang und Ende bei. Somit enthält das MIDI-Datenwort eigentlich 10 Bits, man nennt es aber vereinfachend dennoch Byte.
Nun kann man sich vorstellen, dass schon bei einem einzigen angeschlagenen Ton jede Menge Bits übertragen werden, immer eins nach dem anderen. Auch der Anschlag des Tones selbst ist schon Dateninformation und heißt Note on. Lässt man den Ton los, ist das der Befehl Note off.
In der MIDI-Norm ist die Übertragungszeit und Geschwindigkeit festgelegt. Für die Übertragung von 31250 Bits (= 1 kBaud) ist 1 Sekunde vorgesehen. Man nennt das Standard-Baud-Rate = 31,25 kBaud. Die Übertragungszeit für ein Bit beträgt damit umgerechnet 32 Mikrosekunden. Für das Datenwort mit seinen 10 Bits wird also eine Übertragungszeit von 320 Mikrosekunden benötigt.
Computer wären in der Lage, jeweils ganze Bytes zu senden und zu empfangen, und zwar mit einer sehr viel höheren Übertragungsrate. Aber selbst wenn wir die MIDI-Anlage mit einem Computer verbinden, hat das Interface die Aufgabe, den parallelen Datenstrom in einen seriellen umzuformen. Jeder wird nun begreifen, warum die MIDI-Schnittstelle langsam ist und keineswegs perfekt. Bei großen MIDI-Anlagen und umfassenden Verkabelungen über THRU-Buchsen ist das sogar hörbar. Die Laufzeiten zwischen den einzelnen Komponenten variieren, es bilden sich Verzögerungen. Die Kabel selbst dürfen nicht sehr lang sein.
Was kann MIDI noch, außer Instrumente zu verbinden? Trotz der genannten Schwachstellen hat MIDI viele Vorteile. Man kann mit einem Masterkeyboard nicht nur andere Komponenten ansteuern, sondern auch spezielle Klangeigenschaften per MIDI übermitteln, z.B. die Anschlagstärke (Velocity) eines Tones. Die Keyboards der verschiedenen Generationen sind sehr unterschiedlich ausgerüstet, sie bleiben oft hinter den MIDI-Möglichkeiten zurück. MIDI ist nämlich auch in der Lage zum Beispiel bei einem achtstimmigen Expander acht unterschiedliche Sounds gleichzeitig anzusteuern.
MIDI-Norm
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Damit ein MIDI-Instrument dazu in der Lage ist, muss es in einer bestimmten Betriebsart (Mode) funktionieren. Vier verschiedene Modes sind möglich. Mit ihnen wird die Zuordnung der Stimmen und der MIDI-Kanäle (Channels) festgelegt. Im MIDI-System kann auf 16 Channels gesendet und empfangen werden. Es stehen sozusagen 16 einzelne Telefonleitungen zur Verfügung. Sie sind von 1-16 durchnummeriert und können an den Geräten eingestellt oder in der Computer-Software programmiert werden. Vom jeweiligen Mode, in dem das Instrument arbeitet, hängt die Verteilung der Daten auf die Kanäle ab. Die Betriebsarten sind folgendermaßen ausgelegt (getrennt nach Empfänger/E - Sender/S):
Mono/Omni on
S - Die Daten einer Stimme werden auf einem MIDI-Kanal gesendet.
E - Die Daten aller MIDI-Kanäle werden monophon auf die Stimmen verteilt.
Mono/Omni off
S - Die Daten der Instrumentenstimmen werden auf getrennten MIDI-Kanälen gesendet.
E - Die MIDI-Kanäle werden den internen Instrumentenstimmen monophon zugeordnet. Es können bestimmte Stimmen einzelnen Kanälen zugeordnet werden.
Poly/Omni on
S - Die Daten werden auf einem MIDI-Kanal gesendet.
E - Die Daten aller MIDI-Kanäle werden den Instrumentenstimmen polyphon zugeordnet.
Poly/Omni off
S - Die Daten für alle Stimmen werden auf einem Kanal gesendet.
E - Allein die Daten auf dem gewählten Kanal werden den Stimmen polyphon zugeordnet.
Der Poly-Mode ist am meisten verbreitet, während nur wenige Geräte im Mono-Mode arbeiten. Häufig ist noch vom Multi-Mode die Rede, der aber eigentlich nur eine besonders leistungsfähige Form des Poly-Mode ist.
MIDI hat eigentlich auch erst das Heimstudio-Wesen so richtig blühen lassen. Mit Computer und Sequenzerprogrammen ausgerüstet, kann der Musiker komplexe Kompositionen alleine einspielen, sie abspeichern und später über MIDI mit allen angeschlossenen Instrumenten wieder abrufen. Das Sequenzerprogramm funktioniert wie ein Mehrspurtonband, aber digital. Hat man etwa ein Programm mit 24 Spuren, so kann man damit 24 unterschiedliche Instrumente bzw. Stimmen ansteuern. Kurze Teilstücke (Pattern) können frei zu Songs zusammengebaut werden. Eingespielte Passagen können beliebig oft abgespielt werden, Fehler können leicht korrigiert werden. Ist der Song fertig, kann er auf Diskette abgelegt werden oder sofort als Masterband (z.B. auf DAT) aufgenommen werden. Der Musiker erspart sich so das Überspielen und den Verlust an Klangqualität, weil er das Original direkt aufnimmt. Und es ist beliebig wiederholbar und veränderbar! Über MIDI hinaus gehend kann aktuelle Software wie etwa CUBASE oder
Logic auch direkt Audiospuren aufnehmen, bearbeiten und speichern. Einzelne Parameter wie Tempo oder Lautstärke sind beliebig veränderbar. Selbst massive Klangverbiegungen durch Halleffekte, Kompressoren oder Klangregelung können direkt per Software vorgenommen werden.
Alles in allem ist MIDI schon eine erstaunliche Sache. Wer mehr darüber wissen möchte: Es gibt eine Menge einschlägiger Fachliteratur dazu. Auf dieses Thema genauer einzugehen, würde den Rahmen meiner Abhandlungen hier sprengen. Ich denke, dass für das Lifespiel in einer Band das MIDI-Ding insofern interessant wird, als man den Klang seines Keyboards vielleicht durch ein oder zwei Expander erweitern möchte. Das ist aber kein so großes Problem und auch ohne große MIDI-Kenntnisse zu bewerkstelligen. Wenn du also beim Lesen des MIDI-Kapitels überhaupt nichts mehr verstanden hast, so solltest du dennoch unverdrossen an deinem Keyboardspiel weiterarbeiten. Die Kenntnisse schleichen sich irgendwann von alleine ein.
Masterkeyboards
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In erster Linie ist
der Zweck eines Masterkeyboards das Ansteuern der Klänge via MIDI - quasi
als kreatives Zentrum zum Einspielen eigener Parts in den Sequencer bzw. als
Steuereinheit für die Klänge von Soundmodulen oder Soundkarte.
Ein Masterkeyboard bietet normalerweise keine eingebauten Klänge an oder ist
auf ein paar wenige Sounds beschränkt. Statt dessen wird die viel Wert auf
eine gut spielbare Tastatur und Knöpfe bzw. Regler zur MIDI-Steuerung
(Klangauswahl, Pitch Bend, Modulation, Lautstärke usw.) gelegt.
Musiklehrer raten ihren Schülern oft, so früh wie möglich auf eine gute
Tastatur umzusteigen bzw. gleich mit einer Klaviertastatur zu beginnen, da
diese für das Erlernen einer guten Spieltechnik äußerst wichtig ist.
Musiker, die hauptsächlich MIDI-Recording betreiben, entscheiden sich auch
aus diesem Grund immer häufiger zugunsten von Soundmodulen statt
Tastaturversionen, denn das Geld, das Sie im Vergleich zur Tastaturversion
sparen, macht häufig schon den halben Preis eines guten Masterkeyboards mit
gewichteter Tastatur aus.
Die selbe Entscheidung wird oft auch von Musikern getroffen, die schon
einmal miterlebt haben, wie anfällig die Tastaturen in manchen Synthesizern
im Vergleich zur restlichen Technik sind. Wenn irgend etwas kaputt geht,
dann ist es zuerst die Tastatur. Leider muss in diesen Fällen fast immer das
komplette Gerät eingesandt werden. In dieser Zeit können sie nicht einmal
ihre bereits aufgenommenen Songs abspielen, denn es fehlt ja auch der
dazugehörige Klangerzeuger.
Auf jeden Fall sollte man die Finger von Tastaturen mit Mini-Tasten lassen,
denn mit diesen Tastaturen ist das Erlernen einer guten Spieltechnik
praktisch unmöglich. Diese Modelle eignen sich für den Urlaub, für die
Straße und als Erweiterungstastatur bei chronischem Platzmangel, nicht aber
als Haupt-Einspieltastatur.
Musiker benutzen
Masterkeyboards aus verschiedenen Gründen. Deshalb bietet der Markt eine
derartige Vielzahl unterschiedlicher Modelle. Wer nach einer reinen
MIDI-Tastatur zum Ansteuern einer Soundkarte, eines virtuellen
Synthesizer-Programms oder eines Soundmoduls sucht, für den kommt
wahrscheinlich ein einfaches MIDI-Keyboard mit 61 Tasten in Frage, das
bereits ab ca. 200 DM erhältlich ist. Diese Modelle sind kompakt, leicht zu
bedienen und bieten das Notwendigste, um kreativ mit dem Computer arbeiten
zu können.
Wer schon ein paar tausend Euro in sein Equipment gesteckt hat und nun nach
der perfekten MIDI-Zentrale sucht, für den lohnt sich der Blick auf
höherwertige Modelle mit 88 Tasten und klavierähnlichem Spielgefühl, denn
ein gutes Masterkeyboard ist etwas fürs Leben und eine hochwertige Tastatur
ist wichtig für die Entwicklung einer guten Spieltechnik. Masterkeyboards
mit 88 gewichteten Tasten (Klaviertastatur) sind bereits ab ca. 1.400 DM
erhältlich.
Egal für welches
Masterkeyboard man sich entscheidet, der Umstieg auf eine andere bzw.
höherwertige Tastatur ist in fast allen Fällen einfach und schnell erledigt.
Der Wertverlust bei MIDI-Keyboards ist deutlich niedriger als der bei
Synthesizern und professionelle Modelle sind auch für Normalsterbliche
bezahlbar.
Unterschiede
Das mit Abstand
wichtigste Feature eines Masterkeyboards ist natürlich die Bespielbarkeit
der Tastatur. Wenn man schon ein bisschen Spielerfahrung besitzt, dann ist
eine billige Klappertastatur sicherlich ein böses Hindernis beim Einspielen
komplexer Parts.
Das Stichwort ist hier die Gewichtung. Neben den normalen Tastaturen,
wie man sie in jedem herkömmlichen Keyboard oder Synthesizer findet, gibt es
diejenigen mit leicht gewichteten oder gewichteten Tasten. Das Spielgefühl
kommt dem auf einem Klavier deutlich näher und die Spieltechnik wird
verbessert. Hammermechanik-Tastaturen sind denen in echten Klavieren
nachempfunden, allerdings leider auch die teuersten.
Neben der Bespielbarkeit ist natürlich auch die Anzahl der Tasten
entscheidend. Weniger Tasten ermöglichen kompakteres Design, passen auf
jeden Schreibtisch, erfordern aber das häufige Wechseln der Oktavlage via
Keyboard oder Sequenzerprogramm.
Ebenfalls sehr wichtig sind die integrierten MIDI-Kontrollmöglichkeiten, die
esmöglich machen, das Equipment vom Masterkeyboard aus zu steuern. Bessere
Ausstattung erspart den häufigen Griff zur Maus bzw. zum Soundmodul.
Anschlagdynamik bieten alle Modelle in dieser Klasse, allerdings nicht
unbedingt Aftertouch und Räder für Pitch Bend und
Modulation, wie man sie heutzutage an jedem Synthesizer findet.
Last but not least ist auch das mitgelieferte Zubehör nicht unwichtig. Ist
ein Sustain-Pedal im Lieferumfang enthalten, oder gar ein Keyboardständer?
Brauche ich noch ein separates MIDI-Interface oder nur ein Adapterkabel?
Welche Software wird mitgeliefert? Kann ich damit schon arbeiten oder muss
ich mir noch ein Sequenzerprogramm kaufen?
Wer vorhat, das Gerät auch auf der Bühne oder im Übungsraum einzusetzen, der
sollte sich auch Features wie Transpose, Split-
(unterschiedliche Klänge für linke und rechte Hand) und Layerfunktionen
(mehrere Klänge übereinander) ansehen. Diese Funktionen sind zwar in jedem
modernen Sequenzerprogramm realisiert, aber im Liveeinsatz ohne Computer
freut man sich, wenn das Masterkeyboard diese Funktionen schon integriert
hat.
(Masterkeyboards mit
freundlicher Genehmigung entnommen von
www.thomann.de)
Kaufhilfe
top
Auf Grund der bereits angedeuteten Vielfalt auf dem Keyboard-Markt ist es wenig sinnvoll, an dieser Stelle eine Kaufhilfe geben zu wollen. Auch die Technik bietet kaum einen Anhaltspunkt. Während man dem Gitarristen noch raten kann, darauf zu achten, dass der Hals gerade ist, bleibt für den Keyboarder vielleicht der Hinweis, dass es schlecht fürs Instrument ist, wenn schon mal Bier hinein gekippt wurde.
Aber im Ernst: Die Technik verrottet so leicht nicht und selbst uralte Tasteninstrumente sind oft noch in hervorragendem Zustand. Als Kaufkriterien können im Grunde nur zwei Punkte herhalten:
Bei Punkt 1 muss die Entscheidung fallen, ob Neugerät oder Gebrauchtgerät. Da die Halbwertzeit am Elektronikmarkt immer kürzer wird, muss ein gebrauchtes Keyboard nicht alt sein. Wer in den einschlägigen Rubriken der Anzeigenblätter sucht, wird oftmals schnell fündig. Will man allerdings ein exklusives Teil wie etwa den Minimoog erwerben, kann das durchaus teuer werden. In jedem Fall beim Gebrauchtkauf einen Sachkundigen mitnehmen und das Gerät vor Ort testen.
Punkt 2 ist ebenso wichtig. Will man bei einem Klavierlehrer das klassische Klavierspiel erlernen, dann ist es Unsinn, sich ein E-Piano zu kaufen. Macht man Homerecording, so ist ein monophones Keyboard von gestern mit zwei Sounds unbrauchbar. Und tourt man viel mit einer Band, dann muss man nicht unbedingt die Erfahrung einer zentnerschweren Hammond plus Lesley machen, es sei denn man hat seine eigenen Keyboard-Roadies. Vielleicht sollte man zuerst mehrere Fachgeschäfte mit gut bestückter Keyboard-Abteilung ansteuern und reinhören in das Angebot. Denn Eines ist klar: Fragt man mal einen anderen Keyboarder, dann wird der einem immer wärmstens die eigene Ausrüstung empfehlen. Das muss aber nicht zwingend das sein, was man selbst benötigt.
Sounds
per Software
top
Wie
schon erwähnt wurde, hat die Digitalisierung der Musik
besonders im Recording-Bereich zu Ergebnissen geführt,
die noch vor wenigen Jahren unmöglich schienen. In
Verbindung mit einem PC werden immer mehr reale Keyboards
und Expander durch virtuelle Maschinen ersetzt.
Logischerweise nannte Steinberg seine neue
Sequenzer-Software, die erstmals 1997 erschien, auch Cubase
VST (Virtuelle Studio Technologie), die Firma Emagic
hat ein ähnliches Konzept mit Logic Audio.
Natürlich
kann man kaum auf ein Keyboard verzichten, um in Echtzeit
mit natürlichem Feeling Songs einzuspielen. Die Klänge
aber können allesamt aus dem Computer kommen und dort
gleich bearbeitet und gespeichert werden. Die oben
genannten Programme verfügen über ausgedehnte
Funktionen, die es möglich machen, die eigenen
Kompositionen bis hin zum Mastering zu vollenden. Man muss
sie dann nur noch auf CD brennen, heute ebenfalls eine
leichte Übung.
Schnittstelle
top
Cubase
und Logic unterstützten auch die Plug-in-Schnittstelle
VST-1.0 (plug in = einklinken). Anderen
Software-Entwicklern war es nun möglich, neue Effekte zu
entwickeln, die sich mittels der Schnittstelle nahtlos in
diese Programme integrieren ließen. So konnte der Musiker
sein virtuelles Studio nach und nach um hochwertige
Effekte erweitern, ohne ein einziges Kabel verlegen zu
müssen. Cubase VST und Logic kamen selbst schon mit
einigen Plug-ins daher.
Mit
Cubase VST 3.7 des
Jahres 1999 wurde die erweiterte Schnittstelle VST-2.0
ausgeliefert. Gegenüber der Vorversion bot sich damit die
Möglichkeit, alle Plug-in-Parameter per MIDI zu steuern.
Somit stand auch der Anwendung von Instrumenten auf
Software-Basis als Plug-in nicht mehr im Wege. Ein
berühmtes Beispiel wurde der Synthesizer ReBirth
von Propellerheads, der legendäre Sounds (TR 808,
909) wieder belebte und einen wahren Technorausch am
Computer auslöste. Viele
andere Hersteller neben Steinberg und Emagic nutzen heute
die VST-2.0-Schnittstelle, da sie den Software-Entwicklern
frei zur Verfügung steht. Ein Instrument auf VST-Basis
lässt sich genau so benutzen wie ein echtes Keyboard mit
allen Controller-Befehlen der MIDI-Spezifikation.
Oldies
but Softies
top
So
ergibt sich die fast schizophrene Situation, dass wieder
ehemals sündhaft teure Geräte in Gestalt von
Software-Plug-ins auf den Markt kommen, die es allenfalls
noch als Oldie gibt. Die Software ist vergleichsweise
preiswert und bildet das Klangverhalten des Vorbildes
exakt nach, liefert aber eine bessere Klangqulität, weil
digital, und ist bedienungsfreundlicher wegen ihrer
Benutzeroberfläche für den PC. Die deutsche
Software-Schmiede Native Instruments hat von
diesen Software-Instrumenten einige wieder belebt, die
Kult und Legende waren. Etwa den analoge Synthesizer Prophet
5 von Sequential Circuits, der nun Pro-52
heißt, oder das DX7 von Yamaha, jetzt FM7.
Kaum eine Plattenveröffentlichung der 1980er Jahre, auf der diese Keyboards
nicht eingesetzt wurden.
Die
Firma Waldorf hat ihren Synthesizer PPG
ebenfalls als Software-Version Wave 2.0 aufgelegt.
Aber auch neuentwickelte Synthesizer stehen zur Verfügung
wie der Reaktor von Native Instruments, ein
Software-Synthesizer für Bausatzfreunde. Von Emagic
kommen die E-Pianos von Rhodes und Wurlitzer (EVP88).
Native Instruments hat es geschafft, die
Hammond-Legende B3 mit authentischem
elektromagnetischem Klang einschließlich
Rotationslautsprecher, Zugriegel und Keyklick auf die
Festplatte zu bannen. Zusätzlich hat die Software noch
etliche Einstell-Parameter, die bei einer richtigen
Hammond nicht möglich waren.
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Soft-Hammond
B4 einschl. Pedal |
Von
Gmedia wird das Mellotron für alle
nostalgischen Keyboarder bereitgestellt. Die Sounds
klingen genau so leierig wie damals, aber sie sind
komplett. Beim echten Mellotron waren immer nur drei
Sounds in einem Taperahmen vereint. Wollte man mehr,
musste man den Rahmen austauschen.
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Soft-Mellotron |
Last but not least ist auch
der legendäre Minimoog wieder auferstanden. Unter
Mithilfe von Bob Moog hat Arturia in
beeindruckender Weise die typischen und unverwechselbaren
Klänge des Mini als Stand-alone und Plug-in für die
Festplatte zum Leben erweckt. Eine Besonderheit besteht
darin, dass viele Sounds auch polyphon gespielt werden
können, was aber oft wenig sinnvoll ist.
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Soft-Minimoog |
All
diese alten und neuen elektronischen Instrumente kann der
Musiker heute locker von CD auf seinen PC laden. Dabei
ist es gar nicht so einfach, den Klang solcher Instrumente
softwaremäßig nachzubilden, wenn sie analog waren, d. h.
auf Schaltungen aufbauten. Solche analogen Schaltkreise
sind nicht konstant in ihrem Frequenzverhalten, die
Tonhöhen verschieben sich leicht, im Gegensatz zu
digitalen Klangquellen. Man muss also auch das
"Zufällige" des Tones programmieren. Aber
nichts ist unmöglich. Wer zum Beispiel ein Zupfinstrument
mit Anblasgeräusch haben will - kein Problem, das
Physical Modelling der Software Tassman von Applied
Acoustics schafft auch das.
Schließlich
sei noch erwähnt, dass man natürlich auch
Naturinstrumente mit dem PC spielen kann. Denn natürlich
wurden auch die Sampler in Software
"gegossen". Dies kennt man ja schon von der
Soundkarte des PCs, deren Wavetable eben Wellenformen von
Instrumenten als Samples enthält. Sampler als Plug-in
können allerdings die Sounds bearbeiten wie jeder
Hardware-Sampler auch. Es sei denn, man möchte fertige
Klänge. Dann ist man mit einem Plug-in-Sample-Player gut
bedient.
Synthie
zum Nulltarif
top
Nun
hat ja nicht unbedingt jeder eine Vorstellung davon, was
ihn bei Software-Instrumenten erwartet. Und wenn man sich
so die verschiedenen Programme zusammen kauft, dann bleibt
manche Mark auf der Strecke. Nicht verzagen! Es gibt
unglaublich viel Software zum Nulltarif. Man muss sich nur
ein wenig im Internet auf den einschlägigen Seiten
tummeln. So ist zum Beispiel die oben genannte Firma
Native Instruments so freundlich, einen kostenlosen
virtuell-analogen Synthesizer namens Soundforum Synth
zum Download zur Verfügung zu stellen. Es bietet alles,
was ein solcher Synthie haben muss. In erster Linie also
Regler und Potis satt. Denn wir erinnern uns - beim
analogen Synthesizer sieht und hört man sofort, was
passiert. Und weil das so ist, lernt man eine Menge über
Oszillatoren, Hüllkurven und Filter.
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Soundforum
Synth - am Klang schrauben wie beim echten Synthie |
Diese
Software liefert schon einige Festeinstellungen, ich kann
aber nur raten, einfach mal damit rumzuspielen und die
manchmal überraschenden Ergebnisse zu genießen. Und wenn
ein Sound besonders gut gefällt, dann kann man ihn
schnell abspeichern und später wieder einsetzen.
Spieltechnik
top
Da
ich selber das Keyboard-Spiel nur autodidaktisch und ausschließlich beim Recording betreibe, kann ich mich kaum auf weiter
gehende Anweisungen einlassen. Ich möchte daher die
Darstellung auf Grundlegendes beschränken.
Tonumfang
top
Der
Tonumfang moderner Keyboards umfasst etwa 5 1/2 Oktaven.
Früher war das Tastenangebot recht spärlich, etwa beim
Minimoog mit seinen 44 Tasten, die gerade mal 3 1/2
Oktaven ausmachen. Heute finden wir bei Masterkeyboards
bis 88 Tasten. Natürlich bietet ein Flügel noch mehr. Er
reicht besonders in den tiefen Lagen sehr weit hinunter.
Nach der großen Oktave kommen noch Kontraoktave
und Subkontraoktave, wobei aber bei der letzteren
nur die beiden oberen Töne A und H vorhanden sind. Die
Kontraoktave ist also die tiefste komplette Oktave. In den
oberen Lagen kommt nach der viergestrichenen Oktave noch die fünfgestrichene,
vertreten allerdings nur durch das C. Ein modernes Klavier
weist also sieben Oktaven auf plus zweier tiefer und eines
hohen Tones.

Im
System unserer Notenlinien ist dieser große Tonumfang nur
dadurch darstellbar, dass man ihn in zwei Bereiche
aufteilt. Diese Bereiche werden durch die Anwendung
unterschiedlicher Notenschlüssel gekennzeichnet.
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Bassschlüssel
oder F-Schlüssel |
Der
Bassschlüssel oder
auch F-Schlüssel zeigt den tiefen Notenbereich an.
Er heißt F-Schlüssel, weil er auf der vierten Linie
steht mit seinem Bogen und dort den Ton f der
kleinen Oktave markiert.
 |
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Violinschlüssel
oder G-Schlüssel |
Die
hohen Töne des Notensystems zeigt der Violinschlüssel
oder G-Schlüssel an. Er steht auf der zweiten
Linie, sein Bogen umkreist den Ton g'.
Durch
Hilfslinien über und unter den eigentlichen Notenlinien
ist es möglich, dass sich die Tonbereiche der beiden
Schlüssel zwischen f und c" überlappen. Das ist
wichtig für das nahtlose Spiel der beiden Hände, sofern
nach Noten gespielt wird, weil die linke Hand sich am
Bassschlüssel und die rechte am Violinschlüssel
orientiert.
Die
Notenlinien selbst tragen nur die Namen der weißen
Tasten. Die Töne der
schwarzen Tasten, also die Halbtöne,
werden im Notensystem dadurch dargestellt, dass die Töne
der weißen Tasten erhöht werden durch ein #
oder erniedrigt durch ein b, die man vor die
entsprechende Note schreibt.
Wie
man Akkorde bildet, kannst du im Intervallofix
erkennen, den du von der Seite Theorie
herunterladen kannst. Akkordbildung gehört zum
Handwerkszeug des Keyboarders. Ich meine, dass das
Tonsystem am Tasteninstrument leicht zu durchschauen ist,
da alle Töne – im Gegensatz zur Gitarre – linear
angeordnet sind.
Spielpraxis
top
Grundsätzlich
gilt auch für das Spiel des Keyboarders: Wenn du ein für
alle Mal was fürs Leben haben willst, kommst du um einen
fundierten Klavierunterricht nicht herum. Und wer Klavier
spielen kann, kann damit automatisch alle Arten von Tasten
bedienen, und zwar technisch perfekt und wenn nötig nach
Noten. Kaum einer der weltberühmten Keyboardspieler, der
nicht die klassische Schulung durchlaufen hat.
Aber
du möchtest ja sofort in deiner Band mitspielen und nicht
erst nach fünf Jahren. Mit der nötigen Energie kannst du
dir auch selbst einige Tricks draufschaffen. Es gibt
mittlerweile eine Reihe von Veröffentlichungen, die
gerade das Klavierspiel ohne Noten vermitteln wollen.
Schau dich mal im Regal deines Musikladens um. Mit einer
solchen Pianoschule und der Energie zum regelmäßigen
Üben sollte es dir nicht schwer fallen, ein guter
Keyboarder zu werden.
Allerdings
musst du wirklich sehr diszipliniert üben, sonst wird das
alles nur Stückwerk. Mit Üben meine ich die Übung im
stillen Kämmerlein, ohne Band. Es bringt allerdings
überhaupt nichts, wenn du dich zwei Stunden nonstop
quälst. Es ist viel besser, zweimal am Tag ganz
intensiv jeweils 15 Minuten zu üben. So machen es
übrigens auch alle, die einen Klavierlehrer haben
(Weltmeister üben natürlich auch schon mal acht Stunden
am Tag).
Was
übt man nun sinnvollerweise? Zunächst ist es wichtig,
dass die Finger locker werden. Als Anfänger verkrampft
man schon nach kurzer Zeit. Dann muss die Unabhängigkeit
der beiden Hände voneinander trainiert werden. Auch die
einzelnen Finger müssen selbstständig werden und die
angepeilten Tasten treffen. Als Keyboarder musst du sowohl
das rhythmische als auch das Solospiel üben. Dies
zunächst getrennt, später ineinander übergehend.
Auf
derlei Übungen sind die von mir genannten Pianoschulen
aufgebaut. In der Abbildung unten siehst du die Grundstellung,
die man beim Tastenspiel einnimmt. Daraus kannst du schon
ein paar Übungen ableiten. Spiele mit der rechten Hand
auf den weißen Tasten die Töne C-G, indem du - beim
Daumen beginnend - einen Finger nach dem anderen einsetzt.
Dies machst du hin und her. Ebenso mit der linken Hand.
Du spielst von C-F. Beginne wieder zuerst mit dem Daumen,
zurück mit dem kleinen Finger. Nun versuche diese
Übungen mit beiden Händen gleichzeitig!
Ziel
aller Übungen ist es, mit beiden Händen gleichzeitig und
unabhängig voneinander spielen zu können. Oft ist es so,
dass am Keyboard mit der linken Hand Bassfiguren
mitgespielt werden und die rechte Hand Akkorde dazu
spielt. Oder mit der linken Hand werden die Akkorde
gehalten, während die rechte Hand sich eher solistisch
hervortut. Nicht zuletzt - so sieht man es auf Bühnen -
bedient der (oder die) Keyboarder(in) zwei
Tasteninstrumente gleichzeitig. Das alles geht jedoch nur,
wenn man nicht mehr darüber nachdenken muss, was die eine
oder die andere Hand tun soll.
Umkehrungen
top
Wenn
du dich mit den grundlegenden Prinzipien der Akkordbildung
– etwa Drei- und Vierklänge in Dur und Moll vertraut
gemacht hast, dann solltest du dir noch eine Besonderheit
aneignen, mit der selbst ein einziger Akkord
abwechslungsreich gestaltet werden kann. Man bedient sich
dabei der so genannten Akkord-Umkehrung.
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| Grundstellung
C-Dur |
Wir
gehen aus von der Grundstellung eines Akkords: Grundton
und darüber geschichtete Terzen. Bei der Umkehrung nimmt
man nun den tiefsten Ton weg (das wäre der Grundton) und
spielt ihn in der nächst höheren Oktave. Der tiefste Ton
wird also jetzt zum höchsten. Das ist die so genannte 1.
Umkehrung.
 |
| 1.
Umkehrung C-Dur |
Führen
wir das Spielchen weiter! Wieder nehmen wir den nun
tiefsten Ton (das war der zweite Ton unserer
Grundstellung) und spielen auch ihn als höheren Oktavton.
Das ist die 2. Umkehrung des Grundakkordes. Wenn
wir das bei einem Dreiklang noch einmal machen, haben wir
wieder die Grundstellung, aber insgesamt eine Oktave
höher.
 |
| 2.
Umkehrung C-Dur |
Bei
einem Dreiklang sind, wenn du mitgerechnet hast, also zwei
Umkehrungen möglich, bei einem Vierklang drei usw. Die
Zahl der möglichen Umkehrungen ergibt sich immer aus der Anzahl
der Töne eines Akkordes minus 1.
Beim
Probieren wirst du feststellen, dass jede Umkehrung ihren
eigenen Klangcharakter hat. Die gleiche Tonzusammensetzung
hat eine unterschiedliche Wirkung auf unser Hören. Wenn
man die Akkorde also innerhalb der Umkehrung wechselt,
erreicht man dadurch auch bei einfachen Stücken schon
mehr Vielfalt. Umkehrungen erleichtern aber auch - das
wirst du beim Spielen sehr schnell feststellen - die
Wechsel zwischen verschiedenen Akkorden, weil man dadurch
die Töne der einzelnen Akkorde näher zueinander rücken
kann.
Musiker (Tasteninstrumente)
top
Auch hier möchte ich betonen, dass die Auswahl rein subjektiv ist und auf meinen eigenen Vorlieben, Hörgewohnheiten und Konzerterlebnissen basiert. Die meisten Musiker, die ich erwähne, habe ich auch live erlebt.
Durch Anklicken der Fotos öffnet sich eine Wikipedia-Seite
für nähere Infos.
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Jimmy Smith |
Rick Wakeman |
Brian Auger |
Nicky Hopkins |
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Rick Wright |
Billy Preston |
Jon Lord |
Keith Emerson |
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Rick van der Linden |
Barbara Dennerlein |
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