
Liebe Freunde des
kleinsten Beatles Museums der Welt,
in diesem Infobrief
erhaltet Ihr einen Überblick über die Aktivitäten des Siegener
Beatles-Museums und einige interessante „beatlige“ News der „Fab Four“!
1.
Drei Fragen an ROLF ESSER
Die Fahrt zu meinem
heutigen Interviewpartner und Freund führt mich entlang der A 45 von
Siegen nach Hagen – der Stadt, wo auch die Gruppe „Extrabreit“ und
„Nena“ ihre ersten Gehversuche gemacht haben.
Rolf Esser ist ein
Allrounder. Er ist Lehrer, erfolgreicher Musiker (Gitarre, Schlagzeug)
und hervorragender Grafiker. In meinem Museum zeige ich 13 sehenswerte
original Beatles-Grafiken von ihm. Rolf Esser zeichnet auch
verantwortlich für verschiedene Musik-Projekte.
Auf seiner Website -
die ich nur empfehlen kann – schreibt er: „Mit den fabelhaften Beatles
bekam ich den Antrieb, mich intensiv mit Songs zu beschäftigen!“.
Rolf war dabei, als
die „Fab Four“ am 25. Juni 1966 bei der „Bravo-Beatles-Blitztournee“ in
der „Gruga-Halle“ in Essen spielten.
Frage: Du warst bei
dem legendären Konzert der Beatles am 25. Juni 1966 in der „Gruga-Halle“
in Essen live dabei. Es gibt Leute, die erzählen heute noch über den
Auftritt der Beatles, als wäre er gestern gewesen. Wie sind denn deine
Erinnerungen an den Tag des Konzerts und wie haben dir die „Fab Four“
gefallen?
Rolf Esser:
Die sachlichen Infos über das Ereignis bekomme ich noch gut zusammen.
Man kann sie auf meiner Homepage nachlesen. Meine rein gefühlsmäßigen
Erinnerungen allerdings sind eher verschwommen.
Ich denke, es liegt
daran, dass mich dieses - um es zeitgemäß auszudrücken - Mega-Event
damals gewissermaßen überrollt hat. Die Beatles - das waren Wesen wie
vom anderen Stern. Und nun standen sie dort unten in erreichbarer Nähe
und waren ferner denn je, weil ihre Persönlichkeiten und ihre Musik
untergingen in der Kakophonie kreischender Fans. Insofern kann man von
„gefallen“ gar nicht reden.
Ich war Zeitzeuge
eines der letzten Beatles-Konzerte und betrachte mich somit
gewissermaßen als „geadelt“. Das dürfte für jeden Beatles-Fan mehr als
genug sein.
Frage: Wenn ich dich
nach dem besten Album der Beatles fragen würde, nennst Du mir mit
Sicherheit eine Scheibe bis 1966. D.h., Du bist von den späteren Alben
nicht mehr so begeistert oder überzeugt. Gibt es dafür aus deiner Sicht
einen besonderen Grund?
Rolf Esser:
Das für mich musikalisch homogenste Album der Beatles ist „A Hard Day´s
Night“.
Die Songs wirken wie
aus einem Guss und werden darin durch die aufnahmetechnische
Verarbeitung unterstützt.
Die nächste logische
Stufe auf der Schaffensleiter sehe ich in „Revolver“. Es sind immer noch
klassische Beatles-Kompositionen, aber sie erscheinen auf eigentümliche
Weise gereifter. Mit „Taxman“ wird erstmals auch George Harrisons
Songwriter-Potenzial deutlich. Als Ausrutscher werte ich den Song
„Yellow Submarine“.
Das sicherlich
wegweisende „Sg. Pepper“ hat für mich einen großen Mangel: Der Mut zum
Konzept einer Live-Band verließ die Protagonisten schon nach dem ersten
Song. Vermutlich hat hier George Martin stark gebremst. Hätte man nach
Art des Intros weiter gemacht (und vielleicht auch mehr oder weniger
live eingespielt), wäre es ein revolutionäres Konzeptalbum geworden. So
wurde daraus eine zwar tolle Scheibe, deren Songs aber in keinem echten
Zusammenhang zueinander stehen. Das gaben die Beatles übrigens selber
auch zu, nachzulesen in diversen Biografien.
Auf den Alben danach
ist mir zuviel süßlicher Füllstoff. Für mich als experimentierfreudigem
Musiker passiert zudem in der rhythmischen Weiterentwicklung zu wenig.
Es herrscht der 4/4-Takt. Songs wie „Dig A Pony“ (3/4) und „Don´t Let Me
Down“ (5/4) sind schon Ausnahmen. Und der Film „Let It Be“ offenbart
leider auch, dass die Beatles als Musiker und Band sessionmäßig eher
jämmerlich zusammen spielten.
Frage: Wie ich
bereits in der Einleitung über dich geschrieben habe, bist Du ein
erfolgreicher Musiker, der auch verantwortlich zeichnete für viele
Musik-Projekte. Gib doch bitte einmal einen kleinen Einblick in diese
Projekte und … hast Du dabei musikalische Anregungen der Beatles
übernommen?
Rolf Esser:
Anregungen der Beatles sind in meine Musik immer eingeflossen, schon
allein, weil viele ihrer Songs rein harmonisch/grifftechnisch eine
Herausforderung bedeuten. So habe ich in meinem Song „Instant Dream“ die
kompletten Harmonien von „Drive My Car“ verwendet. Der Song ist zu
finden auf meiner CD „Anna & More“, ein wichtiges Projekt meiner
Recording-Bemühungen. Diese CD entstand in Zusammenarbeit mit der
hervorragenden Dortmunder Sängerin Anna Pappert, der ich die Songs
gewissermaßen auf den Leib (die Stimme) geschneidert habe. Davor habe
ich - als es CDs noch nicht gab - eine Underground-MC veröffentlicht.
Vor meiner
Homerecording-Zeit hatte ich zwei Bandprojekte. Die erste Band muss man
im Progressive Rock/Art Rock-Lager ansiedeln. Uns war es 1975 möglich,
zusammen mit dem Sinfonie-Orchester der Stadt Hagen und einem großen
Chor ein eigenes Werk aufzuführen. Aus dem englischen Raum kannte man
solche Projekte schon (Deep Purple, Procol Harum), in Deutschland war
das einzigartig. Allenfalls durften Jazzer mit Orchestern auftreten,
Rock-Bands galten unter E-Musikern als minderwertig.
Wir haben das damals
beim Umgang mit den Orchestermusikern schon deutlich gespürt. Im
Andenken an dieses Großereignis habe ich mich im letzten Herbst daran
gemacht, eine komplette Neuauflage eines Konzerts für Band und Orchester
zu schreiben.
Dank moderner
Computertechnik schlummern heute in Chips und Software hervorragende
Orchestersounds. Das Werk, das du schon gehört hast, ist fertig und die
Partitur in Arbeit. Ich bin gespannt, ob ich es einmal werde aufführen
können. Zum Glück sind sich
U- und E-Musik in ihrer Entwicklung immer näher bis hin zur völligen
Vermischung gekommen. Persönlich halte ich nichts von diesem
Lagerdenken. Es gibt gute Musik und schlechte Musik. Auch das natürlich
nur im individuellen Werturteil. Punkt.
Vielen Dank für das
Interview.
|