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Westfalenpost vom 18.12.1973 Grundstein für das Hagener Jugendtheater ist gelegt "Verborg Effector" machen das Rennen Unbekannte Band probte zwei Jahre - Musikalisch perfekt Rund 1000 Jugendliche "stürmten" gestern Abend das Stadttheater. Sie alle wollten jene drei Bands sehen und hören, die sich als Akteure für das geplante Jugendtheater "Tut, was ihr wollt" beworben hatten, nachdem bereits knapp 150 Laienspieler Bewerbungsbogen ausgefüllt hatten. Die Nervosität begann schon am Samstag, als die Bandleader zu einem letzten Gespräch mit dem Dramaturgen ins Theater kamen. Detailfragen und technische Fachsimpelei waren auf der Tagesordnung. Die Unruhe steigerte sich am Sonntag, als die Technik nach dem Abbau der Bühnendekoration für "Kiss me, Kate" das Zeichen gab: Bühne frei. Nach Generalstabsplan bauten die Bands auf der Drehscheibe ihre Instrumente auf: die Gruppe "Verborg Effector", ganz in mystisches Schwarz gehüllt, die "BabyIon" in Weiß und letztlich die "Devotion", frech und bunt kostümiert. Schon um 18.30 Uhr drängte das Publikum um Einlass. Die Jury aus Theaterleuten und Jugendlichen aus dem Publikum tagte. Um 19 Uhr war das Haus brechend voll. Kapellmeister Hans Hofmann mit seinen "All-Stars" heizte mit Swing und Dixieland das Publikum auf. Um 19.40 Uhr gab das neue Ensemblemitglied Lutz Schröter das Startzeichen für "Tut, was ihr wollt". Draußen vor dem Theater begehrten noch 200 jugendliche Einlass, die Feuerwehr musste das Haus sperren wegen Überfüllung, die jungen Leute zogen enttäuscht ab. Rund 1000 hatten sich trotz des Sonntagsfahrverbots eingefunden. Ausgelost wurde die Reihenfolge "Devotion", "Babylon", "Verborg Effector". Die Scheibe dreht sich: "Devotion" spielt nach Abspielen des Originalbandes, das zum Vergleich dient. Jubel der "Devotion"-Anhänger, lässig winkt die Band ab, steigt ein und zieht ab - Beifall und Buhrufe, das Publikum hat sich schon heiß gelaufen. Eine musikalisch klare Nummer, differenziert im Sound, besonders gefällt der Organist, der Schlagzeuger schlägt monoton, maschinell. Die Drehscheibe dreht: Die Babylons ziehen ihre Nummer ab, musikalisch einfallsreich, melodischer als die Devotion. Das Publikum kennt die Babylons schon, die einzige Truppe, die schon öffentlich aufgetreten ist. Hier steigert sich der Beifall - doch die "Verborg Effector" sahnen ab. Ihre Besetzung und ihr technischer Aufwand haben Pfiff und kosten mehr als ein Vermögen. Schätzwert des Equipments, wie es in der Fachsprache heißt, 35 000 DM. Mit Querflöte, Geige, Saxophon, Orgel, Gitarre, Bass - eine Hagener Band präsentiert sich, zwei Jahre lang wurde still geprobt. Die Band zeigt mehr Profil, musikalisch ist das Pflichtstück perfekt arrangiert, zeigt Raffinesse. Der Mann am Mischpult unten im Publikum zieht alle Register. Das Ende des Jubels ist nicht abzusehen. In der Kür zeigen die Bands ihre Show. Die Hagener Bands kennen sich da aus. Das jugendliche Publikum und sogar die Erwachsenen können nicht mehr ruhig sitzen bleiben. Zugabe, Zugabe, Zugabe. Perfekt, als hätte man geprobt, läuft die Show ab. Nicht endenwollenender Jubel. Das hat das Hagener Theater noch nicht erlebt.
In der Pause berät sich die Jury. Pressereferent Witte fasst kurz zusammen. Musikalisch originell, perfekt arrangiert, exakt gespielt: Die "Verborg Effector". Die Wahl fällt nicht leicht, alle Bands sind Klasse. Nach der Pause gibt der Intendant die Wertung bekannt. Von 15 Jurymitgliedern stimmten zehn für "Verborg", drei für "Devotion", zwei für "Babylon". Frenetischer Beifall. Alle Bands steigen noch einmal voll mit eigenen Nummern ein. Nun hat Kapellmeister Hofmann die Schwerstarbeit mit der Band für das Arrangement von "Tut, was ihr wollt". Bandleader Rolf Esser äußert sich klar und optimistisch, für ihn gibt es in der Musik keine Nachlässigkeit, und Intendant Manfred Schnabel zeigt sich hoch erfreut: Der Grundstein für das Jugendtheater ist gelegt. |
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