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Westfälische Rundschau vom 12.3.1974 Stück "Tut, was ihr wollt" nicht nur für die Jugend Bühnenbild war überzeugend Hagen. Mit einem hohen Stahlgerüst-Umgang schuf Bühnenbildner Peter Umbach (tüchtigster Mann dieser Inszenierung) eine zweite Spiel- und Bewegungsebene. Sie eignete sich nicht nur für räumliches Spiel und Statisteriemassen, auch der anderswo nur erzählte Schiffsuntergang war damit technisch und choreografisch (Otto Glasow) glänzend zu bewältigen. "Tut, was ihr wollt" ist nämlich nicht, wie die Hagener Ankündigung will, in erster Linie ein Jugendmusica1, sondern die Geqenwartsgroßstadtkopie vom guten alten "Was ihr wollt". Bach´sche Fugen sind "zum Gähnen" und klassische Musik laut Textbuch "zum Kotzen", aber beim noch älteren Shakespeare macht man seine Großanleihe in Story und ganzen Versen.
Aus dieser Inkonsequenz kommt das Stückchen, das in seiner Originalform (Komponist Donald Driver) 1968 in Amerika als Jahresleistung ausgezeichnet wurde, nie bei heraus. Schade, denn die vielen jungen Hagener Musicalfans demonstrierten ihren Blumenkinder-Beat auf Bühne und Umgang mit so viel Temperament und ansteckender Spielfreude. Aber es gibt auch inzwischen deutsche Musicals, die viel konsequenter diese Jugend und ihre Probleme direkt ansprechen. Hier in Hagen geschieht das mehr auf dem Umweg einer recht spritzig verfahrenden, einfallsreichen Regie, (Hans Peter Kurr) und einer an sich ebenso differenziert und witzig, ja teilweise ironisch aufbereiteten Musik (Hans Hofmann und "Verborg Effector"). Aber: Die Band sitzt reichlich hoch vor der Szene und spielt so laut, wie es selbst heute in Großstadt-Beatschuppen nicht mehr erwünscht ist. Man singt nur über Mikrofon. Der Text enthält auch Kalauer, die steinalte Operettenregisseure zum Weinen bringen würden und Shakespeares Narren albern meist. Die Verwechslung von Viola und Sebastian wird - huch! -zur spaßigen Sex-Verwirrung aufbereitet. Mittelpunkt des zweistündiqen buntlauten Szenenereignisses unter schönen farbigen Projektionen war die Viola der Gabriele Prüssing. Das Publikum, das zunächst zögernd nur das Haus füllte, spendete zum Schluss kräftigen Beifall. |
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